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Der Artikel erschien am 25.11.2025
Die Geschäfte des Herrn Gates – Wie Microsoft die Welt eroberte
Die frühen Jahre: Code, Kalkül und die BIOS-Falle
William Henry Gates III. machte sich in der Tech-Welt nicht nur durch seine Programmierfähigkeiten einen Namen, sondern vor allem durch ein kompromissloses Geschäftskalkül. Die entscheidenden Weichen für die spätere Weltmachtstellung von Microsoft wurden 1980 und 1981 gestellt – durch Manöver, die weniger mit genialem Code als mit Vertragsgestaltung zu tun hatten.
Als im Juli 1980 eine Delegation des Computergiganten IBM bei Microsoft vorstellig wurde, um ein Betriebssystem für den ersten IBM PC zu finden, versprach Gates die Lieferung, obwohl er ein solches System zu diesem Zeitpunkt gar nicht besaß [2]. Kurz darauf kaufte Microsoft QDOS (Quick and Dirty Operating System) von der kleinen Firma Seattle Computer Products (SCP) für insgesamt nur rund 60.000 US‑Dollar [4] und machte daraus PC‑DOS/MS‑DOS. Der eigentliche Geniestreich lag aber im Vertrag mit IBM: Gates sicherte sich das Recht, das Betriebssystem unter dem Namen MS‑DOS auch an alle anderen PC‑Hersteller lizenzieren zu dürfen [5].
Allein mit der Lizenzierung von MS‑DOS war die Machtfrage auf dem entstehenden PC‑Markt allerdings noch nicht entschieden. Die eigentliche Schlüsselkomponente war eine unscheinbare Firmware: das BIOS (Basic Input/Output System).
Die BIOS-Strategie: Wie Microsoft zwischen alle Stühle rückte
Um zu verstehen, wie Microsoft den PC‑Markt unter seine Kontrolle brachte, muss man ein unscheinbares Stück Software kennen: das BIOS, das „Basic Input/Output System“. Vereinfacht gesagt ist das BIOS ein kleines Programm, das in einem Chip auf dem Mainboard sitzt. Es startet den Computer, prüft den Arbeitsspeicher, initialisiert Tastatur, Festplatte und Bildschirm und übergibt dann an das eigentliche Betriebssystem. Ohne ein passendes BIOS läuft gar nichts.
IBM hatte für seinen ersten PC ein eigenes, urheberrechtlich geschütztes BIOS entwickelt. Andere Hersteller wollten diesen erfolgreichen IBM‑PC nachbauen, möglichst so, dass er mit denselben Mocrosoft Programmen funktioniert. Solche Nachbauten nannte man PC‑Clones: Rechner, die sich technisch wie ein IBM‑PC verhalten, aber nicht von IBM stammen.
Hier lag das Problem: Diese PC‑Clone‑Hersteller konnten zwar bei Microsoft das Betriebssystem MS‑DOS lizenzieren, aber sie durften das IBM‑BIOS nicht einfach kopieren. Hätten sie es dennoch getan, wären sie von IBM wegen Urheberrechtsverletzung verklagt worden [5]. Die einzige rechtssichere Lösung war ein sogenanntes „Clean‑Room‑Design“ [6]: Ein erstes Entwicklerteam untersucht das IBM‑BIOS – es beobachtet von außen, wie sich der Rechner verhält, und kann zusätzlich den Maschinencode im BIOS‑Chip analysieren. Dieses Team erstellt daraus nur eine technische Beschreibung: Welche Funktionen gibt es? Welche Eingaben führen zu welchen Ausgaben? Wie sehen die Schnittstellen aus?
Ein zweites, getrenntes Team, das den Original‑Code von IBM nie zu Gesicht bekommt, schreibt allein auf Basis dieser Beschreibung ein neues BIOS. Funktion und Verhalten sollen möglichst gleich sein, der Programmcode selbst stammt aber vollständig von diesem zweiten Team. So kann man im Streitfall vor Gericht argumentieren, dass zwar die Funktionsweise kompatibel ist, der neue Code aber als eigenständiges Werk gilt und nicht einfach eine Kopie des IBM‑BIOS ist. An dieser Stelle trat Microsoft als zentraler Partner auf. Die Firma lieferte nicht nur MS‑DOS, sondern arbeitete eng mit BIOS‑Herstellern wie Phoenix Technologies und Award Software zusammen. So stellte Microsoft sicher, dass diese neu entwickelten, nicht von IBM stammenden BIOS‑Versionen zuverlässig mit MS‑DOS zusammenspielten [7].
ür die PC‑Clone‑Hersteller ergab sich daraus eine klare Abhängigkeit: Wer MS‑DOS nutzen wollte, brauchte ein BIOS, das mit MS‑DOS getestet und freigegeben war. Wer ein solches „zertifiziertes“ BIOS verwendete, bekam einen Rechner, der als „IBM‑kompatibel“ galt – also die damals wichtigen Programme ausführen konnte. Wer versuchte, auf eigene Faust ein BIOS zu bauen oder ein anderes Betriebssystem einzusetzen, riskierte Inkompatibilitäten, Abstürze und damit den geschäftlichen Ruin.
Genau hier entstand der sogenannte Lock‑in‑Effekt: Einmal in dieses Ökosystem eingestiegen, kamen die Hersteller praktisch nicht mehr von Microsoft los. Betriebssystem und BIOS bildeten ein Paket, dessen technisches und wirtschaftliches Zentrum Microsoft war [8].Auf diese Weise wurde der gesamte Markt der IBM‑PC‑Nachbauten – die PC‑Clones – direkt oder indirekt von Microsoft abhängig. Die Kombination aus MS‑DOS‑Lizenzen und der faktischen Kontrolle über die BIOS‑Schnittstellen zementierte die Systemherrschaft von Gates’ jungem Unternehmen und ebnete den Weg zur späteren Monopolstellung.
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Die kleine Geschichte wurde am 24.11.2025 veröffentlicht
Die fiktive Geschichte der Parlamentarier mit der guten Idee
Der Anfang – Die gute Idee (und die unsichtbaren Fäden)
Der Konferenzraum im Parlament von Buntland roch nach frischem Kaffee und Leder. Vier Abgeordnete saßen um den gläsernen Tisch, zwischen ihnen lag eine glatte, hochglänzende Broschüre mit dem Logo von BioPech Therapeutics. Keiner von ihnen ahnte, dass die Idee, die sie gleich diskutieren würden, nicht von ihnen stammte, sondern von einem Mann namens Dr. Viktor Goldgrube, dem CEO des Unternehmens, der seit Monaten darauf hingearbeitet hatte.
"Ich wurde letzte Woche von einem alten Geschäftspartner kontaktiert", begann Marcus Weber und schob die Broschüre zu Helena rüber. "BioPech Therapeutics. Ein BioPech-Start-up, das an Impfstoffen für seltene, aber hochansteckende Krankheiten arbeitet. Die Technologie ist revolutionär und sie stehen kurz vor dem Börsengang."
Helena Müller blätterte durch die Seiten. "Ich kenne die Studien. Ihre Phase-II-Daten sind vielversprechend, aber…" Sie zögerte. "…noch nicht peer-reviewed."
"Genau das ist der Punkt!", warf Klaus Fischer ein. "Der Markt hat das Potenzial noch nicht erkannt. Die Aktie liegt bei unter zwei Euro. Wenn die FDA-Zulassung kommt und die Regierung als Kunde einsteigt, könnte der Kurs auf dreißig, vierzig Euro hochschnellen."
Sarah Hoffmann, sonst immer die Skeptikerin, runzelte die Stirn. "Und warum zeigen Sie uns das? Das ist doch ein normales Investment ... oder?"
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Der Artikel erschien am 4.11.2025
Korruption in der Selenskyj-Clique?
Offshore-Erbe, Kriegsökonomie und die blinden Flecken westlicher Hilfe
Eine Nachlese von Ulrich Brunhuber
Als Wolodymyr Selenskyj im Frühjahr 2019 mit dem Image des Anti-Oligarchen die ukrainische Präsidentschaftswahl gewann, wurde im Westen rasch ein moralisches Drehbuch geschrieben: Hier der ehemalige Comedian, der „das System“ aufräumt, dort eine korrupte alte Elite, die an den Rand gedrängt wird. Spätestens mit dem russischen Angriff 2022 verschmolz diese Erzählung mit der Kriegspropaganda – Selenskyj wurde zur Ikone, Kritik an ihm oder seinem Umfeld schnell zur „russischen Operation“ erklärt.
Gleichzeitig tauchten unbequeme Fakten auf, die in dieses Bild nicht passen. Die Pandora Papers offenbarten ein Geflecht von Offshore-Firmen im Umfeld Selenskyjs. Ukrainische Anti-Korruptionsbehörden deckten millionenschwere Betrugsfälle im Verteidigungsministerium auf. Europäische und internationale Daten zeigen auffällige Muster im Waffenhandel, etwa zwischen Albanien und der Ukraine. Währenddessen erschüttert eine groß angelegte Anti-Korruptionsoperation die Kiewer Stadtverwaltung unter Bürgermeister Vitali Klitschko.