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Der Artikel erschien am 01.12.2025
Ukraine: Der Weg in die Diktatur - Vom Freiheitsnarrativ zur autoritären Realität
Ukraine zwischen Heldenbild und blinden Flecken
Seit 2014 präsentieren große Medien und viele Politiker in der EU die Ukraine vor allem als angegriffene Demokratie, die sich mutig gegen russische Aggression verteidigt und damit stellvertretend für Europa kämpft. Abweichende Sichtweisen wurden zugleich durch rechtliche Schritte gegen russische Sender, Plattformregeln und faktische Zugangshürden für gegenläufige Informationen stark eingeschränkt.[1]
Mit dem Sendeverbot für RT und Sputnik auf Grundlage der Verordnung 2022/350 und der Umsetzung des Digital Services Act verschob sich der Wettbewerb der Deutungen in Richtung eines eng geführten Informationsraums. Kritik an ukrainischer Innenpolitik, an Oligarchen, Nationalismus oder Menschenrechtsverletzungen wurde dadurch zwar nicht verboten, aber deutlich schwerer sichtbar. Wer Ukraine beurteilt, tut das in einer Öffentlichkeit, die bereits durch Zensurregeln und Plattformsteuerung vorstrukturiert ist.[1][2]
Im Inneren der Ukraine vollzogen sich parallel Entwicklungen, die im westlichen Heldenbild kaum vorkommen. Dazu zählen eine wachsende Verschmelzung von Staat und bewaffneten Formationen, eine nationalistische Neuausrichtung mit Druck auf russischsprachige Bürger und andere Minderheiten sowie eine schrittweise Entmachtung oppositioneller Kräfte. In Teilen der Gegenöffentlichkeit wird diese Dynamik als faschistische Tendenz beschrieben, während Leitmedien sie meist als notwendige Kriegsanpassung oder Selbstbehauptung rahmen.[1]

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Der Artikel erschien am 29.11.2025
Ukraine: Von der Hoffnung zum Konflikt (1990-2014)
eine Nachlese von Ulrich Brunhuber
Wie die Unabhängigkeit zur Spaltung führte und der Weg zum Bürgerkrieg gepflastert wurde
Die Unabhängigkeit der Ukraine am 24. August 1991 war ein Moment der Hoffnung. Mit 90,3 Prozent der Abstimmenden, die sich am 1. Dezember 1991 für die Unabhängigkeit aussprachen,[7] schien es, als könnte die Ukraine einen neuen Weg gehen – einen Weg der Selbstbestimmung, der Gerechtigkeit für unterdrückte Minderheiten, der nationalen Wiedergeburt. Doch diese Hoffnung sollte sich als trügerisch erweisen. Die nächsten zwei Jahrzehnte würden zeigen, dass die Unabhängigkeit nicht das Ende der Konflikte bedeutete, sondern nur der Anfang einer neuen Phase der Spaltung und des Konflikts.
Die liberale Minderheitenpolitik: Ein Versuch der Versöhnung
In den ersten Jahren nach der Unabhängigkeit verfolgte die Ukraine eine bemerkenswert liberale Minderheitenpolitik. Dies war bewusst gewählt: Die ukrainische Führung wollte die nichtukrainische Bevölkerung für die Unabhängigkeit gewinnen und Nationalitätenkonflikte vermeiden. Das ukrainische Parlament unterstützte diesen Kurs durch großzügige Regelungen der ukrainischen Staatsangehörigkeit und durch Vorkehrungen zum Schutz der in der Ukraine ansässigen nichtukrainischen Bevölkerung.[1]

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Der Artikel erschien am 28.11.2025
Ukraine: Unterdrückte Minderheiten in der UDSSR
Eine Nachlese von Ulrich Brunhuber
Ein historischer Rückblick auf die Minderheitenpolitik der UdSSR und ihre Folgen
Die Ukraine steht am Rande des Abgrunds. Während die Sowjetunion in ihren letzten Zügen liegt und die Unabhängigkeitsbewegung an Kraft gewinnt, offenbaren sich die tiefsten Wunden eines Imperiums: die systematische Unterdrückung von Millionen von Menschen, deren einziges Verbrechen darin bestand, nicht russisch oder ukrainisch zu sein. Von den Deutschen der Schwarzmeerküste bis zu den Krimtataren, von den Ungarn Transkarpatiens bis zu den Juden der Ukraine – die Geschichte der Minderheiten in der Sowjetunion ist eine Geschichte der Vertreibung, Vernichtung und Verdrängung. Und diese Geschichte wird zum Pulverfass für die Zukunft.
Die Illusion der sowjetischen Minderheitenpolitik
Als Lenin und Stalin die Sowjetunion gründeten, versprachen sie etwas Revolutionäres: die Befreiung unterdrückter Völker. Die frühen Jahre der Sowjetherrschaft in der Ukraine zeigten tatsächlich progressive Maßnahmen zur Gewährung der Rechte von Minderheiten.[1] Doch diese Hoffnung sollte sich als tragische Illusion erweisen. Ende der 1920er Jahre waren diese fortschrittlichen Maßnahmen bereits Geschichte.[2] Was folgte, war eine der dunkelsten Perioden der europäischen Geschichte.

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Der Artikel erschien in einer früheren Version im Manova-Magazin am 25. Oktober 2025
Der US Gaskrieg – Europas Energieordnung nach Nord Stream
Eine Nachlese von Ulrich Brunhuber
Nord Stream 1 und 2 sollten Deutschlands Industrie für Jahrzehnte mit planbarem, günstigem Gas versorgen. Nach den Explosionen 2022 blieb Stillstand. Es folgte der tiefste Umbau des europäischen Energiesystems seit Jahrzehnten – technisch, wirtschaftlich, geopolitisch. Das frustrierende Ergebnis: Europa spart Emissionen teuer ein, während dieselbe Energiemenge andernorts abgefackelt wird.
Öl beherrscht die Seewege, Gas das Land. Öl wird in Dollar gehandelt, abgesichert durch Tankerflotten und US-Marinesicherung. Gas war regional, vertraglich gebunden und durch Leitungen physisch kontrollierbar. Jede Pipeline verschob Macht. Nord Stream verband Russland und Deutschland direkt – ohne Transitländer, ohne Hafenlogistik, ohne Dritteinfluss.
Für Berlin war es ein Projekt industrieller Vernunft. Für Polen und die Ukraine war es ein Verlust an Transitgebühren, politischem Hebel und strategischer Bedeutung. Für Washington war es ein Risiko, weil Pipelinegas sich der maritimen und finanziellen Kontrolle der USA entzieht.

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Der Artikel erschien am 13. Oktober 2025
Drohnenhysterie in Europa
In den letzten Wochen wurde Europa von einer Serie unbemannter Flugobjekte erschüttert, angebliche Drohnen, die Flughäfen lahmlegten, Kraftwerke bedrohten und Politiker in Alarmbereitschaft versetzten.
Während Bundeskanzler Friedrich Merz Russland als Drahtzieher anklagt, ohne Beweise vorzulegen, fließen Milliarden in neue Rüstungssysteme. Das Muster ist bekannt: Eine diffuse Bedrohung wird medial vergrößert, politische Maßnahmen folgen – und am Ende profitieren dieselben Industriekreise, die schon in früheren Krisen die Ängste der Öffentlichkeit in Geld verwandelt haben.
Die Chronologie der Sichtungen – Mehr Rauch als Feuer
Die sogenannte Drohnenkrise begann Anfang September. In Polen meldete die Regierung am 10. September 2025 eine „Verletzung des Luftraums durch bewaffnete russische Drohnen“. Vier Objekte sollen abgeschossen, andere abgestürzt sein. Eine NATO-Alarmierung wurde vorbereitet, doch forensische Beweise blieben aus.
Die Bundesregierung übernahm die Darstellung ungeprüft. Regierungssprecherin Mareike Krause sprach von einer „neuen Dimension hybrider Aggression“. Kanzler Merz sekundierte, Russland teste „gezielt die Verteidigungsbereitschaft des Westens“.
Trotz dieser klaren Worte legte weder Polen noch Deutschland Fotos, Seriennummern oder Funkdaten vor.
